Ulf Schiewe

Autor

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Soldaten und Frauen, die ihnen folgen


„Ein Heer sammelt Anhang, wie ein Hund Flöhe, das war schon immer so“, sagt mein Erzähler im Bastard von Tolosa. Gemeint sind Profiteure, Diebe, Abenteurer aller Art, die sich den Heerhaufen der Kreuzritter anschließen. Aber vor allen Dingen Frauen, ganze Heerscharen von ihnen. Was hat sie dazu bewegt, den Soldaten in ihr gefährliches Abenteuer zu folgen?
Man findet es in allen Chroniken und Beschreibungen von Heerzügen, ob im Altertum, Mittelalter oder noch später. Ich lese gerade Steven Pressfields Roman über Alexander der Große in Afghanistan. Darin beschäftigt er sich unter anderem recht intensiv mit diesem Thema. Wer waren diese Frauen, fragt er sich. Manche gewiss Huren, andere, die sich in einen hübschen Kerl verguckt hatten, oder sie wurden verschleppt, wussten nicht wohin, wenn das durchziehende Heer ihr Dorf ausgeplündert und zerstört hatte. Seltsamerweise sind es oft gerade Frauen des Feindes, die sich dem Besatzungsheer anschließen.
Diese Frauen werden ausgenutzt, verrichten die niedrigsten Arbeiten. Aber mit der Zeit entsteht eine Art Schicksalsgemeinschaft zwischen ihnen und den Soldaten, die sie begleiten. Sie kochen ihnen das Essen, flicken ihre Kleider, pflegen ihre Wunden und kriegen ihre Kinder. Sie schleppen Proviant und Waffen auf dem Rücken, wenn Packtiere krepiert sind. Ohne sie könnte das Heer gar nicht funktionieren. Einer von Pressfields Männern drückt es so aus:
„Und was ist mit dem Heer von Dirnen und Kupplerinnen, die uns in allem Wetter begleiten? Sie sind unsere Schwestern geworden. Keines der Mädels zu Hause lacht so fröhlich wie sie oder genießt solch einfache Vergnügen wie ein Bad im Fluss, eine Balgerei im Schnee. Tausende von Kindern folgen jetzt dem Heer. Wer kümmert sich um diese von allen verachteten Frauenzimmer? Als Huren haben sie begonnen, aber nun sind sie Mütter und Schwestern geworden und Ehefrauen. Wie schrecklich muss es für sie sein, zu wissen, dass der Mann, den sie in diesem Land Gemahl nennen, sie eines Tages verstoßen wird, wenn er heimkehrt zu seiner wirklichen Gemahlin und deren Kinder, um dann nie mehr von jener Frau und ihren Blagen zu sprechen, mit der er so lange die höchsten Freuden und tiefsten Leiden seines Lebens geteilt hat.“
Solche Sätze geben zu denken.