Hintergründe
… und rund ums Schreiben
Für Interessierte eine kleine, etwas ungeordnete Sammlung von Fakten, Eindrücken und Erfahrungen rund um das Schreiben meiner Romane. Wobei sich Einiges davon auch auf meinem Blog befindet. Bitte oben in die Menüleiste oder rechts klicken.
Es ist ja nun schon eine Weile her, seit ich mit dem Schreiben begonnen und anschließend einen Verlag gefunden hatte. Aber die Umstände waren amüsant. Deshalb ist die folgende kleine Geschichte sicher unterhaltsam.
„Ich möchte Ihnen einen Vertrag anbieten.“
Die Stimme am Telefon klang ruhig und selbstsicher, wenn auch ein wenig brüchig. Mit einem Mal war mein Mund wie ausgetrocknet, denn hier sprach einer der renommiertesten Literaturagenten des Landes. Ich hatte mich zwar gezielt auf die Suche nach einem Agenten gemacht, mein Manuskript war fertig, und ich war ungeduldig, es endlich an den Mann zu bringen, und dennoch...
„Sind Sie noch da?“
Mir hatte es die Sprache verschlagen. Natürlich war ich noch da, aber so verdammt aufgeregt, dass ich mich doch tatsächlich noch zierte, wie die jungfräuliche Braut in der Hochzeitsnacht. Aber Unschuld ist ja noch nie ein Hinderungsgrund gewesen und so wurden auch wir uns schnell handelseinig.
Bald darauf nahmen die Dinge in rasanter Weise ihren Lauf. Mein weiser Agent (man denke: „mein Agent“!) verschickte das Manuskript, telefonierte und feilschte, mahnte mich zwischendurch zur Ruhe, wenn ich vor Aufregung zusammenzubrechen drohte, und dann, nicht zu fassen, war ich plötzlich Autor mit Buchvertrag und ließ mich von meinen neuen Partnern bei Droemer in einem schicken Restaurant verwöhnen.
Wie hast du denn das hingekriegt, tönten unisono meine Kollegen im Büro. Gute Frage, denn eigentlich war ich doch nur ein Anfänger und Hobbyschreiber. Oder?
Mit der Welt der Literatur hatte ich beruflich ja nun wirklich nichts zu tun. Mein Universum bestand aus Computern, Software, Vertrieb und Marketing. Kunden, Messen, Meetings, Angebote, Verhandlungen, 16 Stunden Tage, viel zu teure Restaurants auf Spesen oder Junk Food an Flughäfen, Übergewicht, Bluthochdruck. Nach fünfundzwanzig Jahren Ausland musste ich mich auch erst noch an mein Deutsch gewöhnen. Wie findet man dabei die Ruhe zum Schreiben?
Eigentlich ist Homer an allem Schuld
Meine Mutter sammelte früher Rabattmarken und, als ich zehn Jahre alt war, gab es dafür unter anderem diese Tchiboheftchen mit einer Nacherzählung der Ilias und der Odyssee, mit wunderbaren Zeichnungen von Hektor auf seinem Kampfwagen oder Achilles, der um Patroklos weint. Ich konnte es nicht abwarten, bis das nächste Heftchen erschien. Mich hatten die Heldengeschichten und die Abenteuer aus fernen Zeiten in ihren Bann geschlagen. Die deutschen Sagen waren das nächste, die Schatzinsel, Magellans Weltumsegelung, Robinson Crusoe, alles meist mit der Taschenlampe unter der Bettdecke verschlungen. Und natürlich Karl May. Aus mir wurde also eine Leseratte, bis heute. Egal, wo ich bin, ein Buch ist immer dabei.
Der Reiz der Ferne
Und vielleicht hat auch der gute Odysseus mich beeinflusst, denn der Reiz der Ferne hat mich nie unberührt gelassen. Ich lebte lange Zeit in Genf, Paris, Brasilien, Brüssel und Stockholm. Meine Circe fand ich in Paris (wenngleich aus Brasilien eingewandert), habe sie geheiratet, und im Gegensatz zur Legende hat sie mich nicht in ein Schwein verwandelt, sondern in einen glücklichen Ehemann.
Bis zu den Säulen des Herkules aber wollte auch ich segeln. Ich habe immer das Meer geliebt. Mein Scylla und Charybdis war jedoch nicht die Meerenge von Messina, sondern jene zwischen Dover und Calais, und über viele Jahre sind wir in den Sommerferien bis Cherbourg und Saint Malo gesegelt. Die Kinder sind auf unserem Schiff groß geworden, mein Sohn wäre fast an Bord geboren, und die vielen gemeinsamen Abenteuer haben uns zusammengeschweißt. Auch dies ein Ausdruck, dass ich mir eine jungenhafte, romantische Ader erhalten habe. Ich liebe Abenteuer in fernen Welten, Geschichten, die von Gefahr, Liebe und Tod handeln. Ich mag Protagonisten, die durch extreme Situationen an ihre absoluten Grenzen stoßen, lädierte Helden, die fürchterlich abstürzen und doch irgendwie wieder aufstehen.
Die Figur eines Heimkehrers, wie Jaufré Montalban in „Der Bastard von Tolosa“ ist mir also nicht fremd. Auch nicht seine Heimat und Mentalität, denn ich habe sechzehn Jahre in frankophonen Ländern gelebt. Wer aufmerksam liest, wird in diesem Roman vieles davon wiederfinden. Trotz der schrecklichen Dinge, die geschehen, ist immer noch Raum für eine gewisse Leichtigkeit, für Humor und für die schönen Dinge des Lebens. Männerfreundschaften, Familie und die Liebe zu „seinen Frauen“ (ja es gibt mehrere) geben Jaufré die Stärke, sich von den Widrigkeiten seines Schicksals nicht unterkriegen zu lassen, trotz des Erlebten nicht in Bitterkeit oder Zynismus zu verfallen, sondern einen neuen Anfang zu wagen.
Welten, die sich im Roman berühren
Bei diesem Roman handelt es sich um ein episches Abenteuer und Sittenbild der Zeit des ersten Kreuzzugs. Fasziniert hat mich die Idee der Berührung so unterschiedlicher Welten. Der expandierende Westen trifft auf einen hochkultivierten und opulenten Orient. Wer waren diese eisengekleideten, fränkischen "Barbaren" aus einfachen, feudal beherrschten Dörfern Frankreichs, die alles zurückließen und ihr Leben einer wahnwitzigen Idee widmeten? Und welchen Einfluss hatte das Geschehen auf die Zurückgebliebenen, was brachten die Überlebenden dieses Kriegszugs mit nach Hause? Denn vom unvermeidlichen Kulturaustausch profitierte vor allem der Westen.
So entstand die Figur eines Veterans vieler Kriegsschauplätze, der nach 14 Jahren im Heiligen Land desillusioniert und kriegsmüde die Heimreise antritt. Albträume und Zweifel über die Gerechtigkeit dieses Krieges plagen ihn ebenso wie die Trauer um seine langjährige armenische Geliebte, die kurz zuvor von marodierenden Truppen erschlagen wurde. Er beschließt, sich auf seine kleine Burg im provenzalischen Süden zurückziehen und nie mehr das Schwert zu erheben. Auch mit der Liebe hat er nichts mehr im Sinn. Natürlich kommt alles anders und auf höchst dramatische Weise. Aber dazu sollte man das Buch lesen.
Von der Idee zum Buch
Zur ursprünglichen Frage meiner Kollegen, wie landet man einen Buchvertrag bei einem großen Publikumsverlag, so ist die erste Antwort, die mir einfällt, man sollte keine Angst vor hochgesteckten Zielen haben. Man muss sie nur systematisch angehen.
Zunächst einmal mit Plan, viel Disziplin und Arbeit. Vier Jahre habe ich an dem Roman gewerkelt. Natürlich konnte ich immer nur stundenweise daran arbeiten, oft in Hotelzimmern, im Wartesaal des Flughafens, in Zügen. Oder morgens um sechs vor der Arbeit und dann am Wochenende. Manchmal fällt das Durchhalten schwer. Man muss sich motivieren. Meine Motivation war immer die Veröffentlichung. Ich sah mein Buch in den Läden. Dieses Ziel vor Augen, hat mir geholfen, durchzuhalten.
Wie ich zum Schreiben kam
„Ich möchte Ihnen einen Vertrag anbieten.“
Die Stimme am Telefon klang ruhig und selbstsicher, wenn auch ein wenig brüchig. Mit einem Mal war mein Mund wie ausgetrocknet, denn hier sprach einer der renommiertesten Literaturagenten des Landes. Ich hatte mich zwar gezielt auf die Suche nach einem Agenten gemacht, mein Manuskript war fertig, und ich war ungeduldig, es endlich an den Mann zu bringen, und dennoch...
„Sind Sie noch da?“
Mir hatte es die Sprache verschlagen. Natürlich war ich noch da, aber so verdammt aufgeregt, dass ich mich doch tatsächlich noch zierte, wie die jungfräuliche Braut in der Hochzeitsnacht. Aber Unschuld ist ja noch nie ein Hinderungsgrund gewesen und so wurden auch wir uns schnell handelseinig.
Bald darauf nahmen die Dinge in rasanter Weise ihren Lauf. Mein weiser Agent (man denke: „mein Agent“!) verschickte das Manuskript, telefonierte und feilschte, mahnte mich zwischendurch zur Ruhe, wenn ich vor Aufregung zusammenzubrechen drohte, und dann, nicht zu fassen, war ich plötzlich Autor mit Buchvertrag und ließ mich von meinen neuen Partnern bei Droemer in einem schicken Restaurant verwöhnen.
Wie hast du denn das hingekriegt, tönten unisono meine Kollegen im Büro. Gute Frage, denn eigentlich war ich doch nur ein Anfänger und Hobbyschreiber. Oder?
Mit der Welt der Literatur hatte ich beruflich ja nun wirklich nichts zu tun. Mein Universum bestand aus Computern, Software, Vertrieb und Marketing. Kunden, Messen, Meetings, Angebote, Verhandlungen, 16 Stunden Tage, viel zu teure Restaurants auf Spesen oder Junk Food an Flughäfen, Übergewicht, Bluthochdruck. Nach fünfundzwanzig Jahren Ausland musste ich mich auch erst noch an mein Deutsch gewöhnen. Wie findet man dabei die Ruhe zum Schreiben?
Eigentlich ist Homer an allem Schuld
Meine Mutter sammelte früher Rabattmarken und, als ich zehn Jahre alt war, gab es dafür unter anderem diese Tchiboheftchen mit einer Nacherzählung der Ilias und der Odyssee, mit wunderbaren Zeichnungen von Hektor auf seinem Kampfwagen oder Achilles, der um Patroklos weint. Ich konnte es nicht abwarten, bis das nächste Heftchen erschien. Mich hatten die Heldengeschichten und die Abenteuer aus fernen Zeiten in ihren Bann geschlagen. Die deutschen Sagen waren das nächste, die Schatzinsel, Magellans Weltumsegelung, Robinson Crusoe, alles meist mit der Taschenlampe unter der Bettdecke verschlungen. Und natürlich Karl May. Aus mir wurde also eine Leseratte, bis heute. Egal, wo ich bin, ein Buch ist immer dabei.
Der Reiz der Ferne
Und vielleicht hat auch der gute Odysseus mich beeinflusst, denn der Reiz der Ferne hat mich nie unberührt gelassen. Ich lebte lange Zeit in Genf, Paris, Brasilien, Brüssel und Stockholm. Meine Circe fand ich in Paris (wenngleich aus Brasilien eingewandert), habe sie geheiratet, und im Gegensatz zur Legende hat sie mich nicht in ein Schwein verwandelt, sondern in einen glücklichen Ehemann.
Bis zu den Säulen des Herkules aber wollte auch ich segeln. Ich habe immer das Meer geliebt. Mein Scylla und Charybdis war jedoch nicht die Meerenge von Messina, sondern jene zwischen Dover und Calais, und über viele Jahre sind wir in den Sommerferien bis Cherbourg und Saint Malo gesegelt. Die Kinder sind auf unserem Schiff groß geworden, mein Sohn wäre fast an Bord geboren, und die vielen gemeinsamen Abenteuer haben uns zusammengeschweißt. Auch dies ein Ausdruck, dass ich mir eine jungenhafte, romantische Ader erhalten habe. Ich liebe Abenteuer in fernen Welten, Geschichten, die von Gefahr, Liebe und Tod handeln. Ich mag Protagonisten, die durch extreme Situationen an ihre absoluten Grenzen stoßen, lädierte Helden, die fürchterlich abstürzen und doch irgendwie wieder aufstehen.
Die Figur eines Heimkehrers, wie Jaufré Montalban in „Der Bastard von Tolosa“ ist mir also nicht fremd. Auch nicht seine Heimat und Mentalität, denn ich habe sechzehn Jahre in frankophonen Ländern gelebt. Wer aufmerksam liest, wird in diesem Roman vieles davon wiederfinden. Trotz der schrecklichen Dinge, die geschehen, ist immer noch Raum für eine gewisse Leichtigkeit, für Humor und für die schönen Dinge des Lebens. Männerfreundschaften, Familie und die Liebe zu „seinen Frauen“ (ja es gibt mehrere) geben Jaufré die Stärke, sich von den Widrigkeiten seines Schicksals nicht unterkriegen zu lassen, trotz des Erlebten nicht in Bitterkeit oder Zynismus zu verfallen, sondern einen neuen Anfang zu wagen.
Welten, die sich im Roman berühren
Bei diesem Roman handelt es sich um ein episches Abenteuer und Sittenbild der Zeit des ersten Kreuzzugs. Fasziniert hat mich die Idee der Berührung so unterschiedlicher Welten. Der expandierende Westen trifft auf einen hochkultivierten und opulenten Orient. Wer waren diese eisengekleideten, fränkischen "Barbaren" aus einfachen, feudal beherrschten Dörfern Frankreichs, die alles zurückließen und ihr Leben einer wahnwitzigen Idee widmeten? Und welchen Einfluss hatte das Geschehen auf die Zurückgebliebenen, was brachten die Überlebenden dieses Kriegszugs mit nach Hause? Denn vom unvermeidlichen Kulturaustausch profitierte vor allem der Westen.
So entstand die Figur eines Veterans vieler Kriegsschauplätze, der nach 14 Jahren im Heiligen Land desillusioniert und kriegsmüde die Heimreise antritt. Albträume und Zweifel über die Gerechtigkeit dieses Krieges plagen ihn ebenso wie die Trauer um seine langjährige armenische Geliebte, die kurz zuvor von marodierenden Truppen erschlagen wurde. Er beschließt, sich auf seine kleine Burg im provenzalischen Süden zurückziehen und nie mehr das Schwert zu erheben. Auch mit der Liebe hat er nichts mehr im Sinn. Natürlich kommt alles anders und auf höchst dramatische Weise. Aber dazu sollte man das Buch lesen.
Von der Idee zum Buch
Zur ursprünglichen Frage meiner Kollegen, wie landet man einen Buchvertrag bei einem großen Publikumsverlag, so ist die erste Antwort, die mir einfällt, man sollte keine Angst vor hochgesteckten Zielen haben. Man muss sie nur systematisch angehen.
Zunächst einmal mit Plan, viel Disziplin und Arbeit. Vier Jahre habe ich an dem Roman gewerkelt. Natürlich konnte ich immer nur stundenweise daran arbeiten, oft in Hotelzimmern, im Wartesaal des Flughafens, in Zügen. Oder morgens um sechs vor der Arbeit und dann am Wochenende. Manchmal fällt das Durchhalten schwer. Man muss sich motivieren. Meine Motivation war immer die Veröffentlichung. Ich sah mein Buch in den Läden. Dieses Ziel vor Augen, hat mir geholfen, durchzuhalten.