Ulfs Blog

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Eindrücke von der Messe

Schiewe-Buchmesse
Leipziger Buchmesse - mein erster Besuch. Das war beeindruckend. Ich hatte mir die Messe nicht so groß vorgestellt. Lange Schlangen an Kassen und Garderoben, Massen von Menschen wälzen sich durch die Gänge, überall Leseinseln, Lautsprecher mit Autorenstimmen - bis einem der Kopf schwirrt. Auch ich hatte diverse Termine mit Moderation und Mini-Lesung, Autogramme schreiben, Bücher signieren. An einem dieser Interviews gesellte sich auch Reinhard Kuhnert zu uns, der hervorragende Sprecher meiner Hörbücher.


Interview bei Droemer 2
An zwei Abenden Lesungen an anderen Orten in der Stadt, einmal im Ägyptischen Museum (mit Kerstin Groeper und den Lorentz), ein Abend, der mir in guter Erinnerung bleiben wird, denn das Publikum ging wirklich mit und blieb noch lange für Fragen und Diskussionen. Die zweite Lesung war im Panometer (mit Birgit Jasmund und Martina André ), wo ich mein neues Buch, "Gold des Südens", vorstellen durfte.

Ein besonders nettes Highlight war auch der Frühstücksempfang bei Droemer Knaur für seine HOMER-Autoren mit Christine Steffen-Reimann und Dr. Übleis. Es war außerdem schön, weitere Verlagsmitarbeiter persönlich kennenzulernen, mit denen man bisher nur Email-Kontakt hatte.

Bei Droemer 2



Überhaupt hatte ich den Eindruck einer riesigen Kontaktbörse. Leute hasteten von Stand zu Stand, um sich mit Autoren zu treffen, Autoren mit Verlagsleuten, Verlagsleute mit Bloggern und Journalisten. Eigentlich sah man nicht so viele, die tatsächlich Bücher in die Hand nahmen. Das ganze kam mir eher wie ein gigantisches Networking-Festival vor. Aber okay, das muss vielleicht auch sein. Happy

Und schließlich am Samstagabend war der Galaabend von HOMER mit Preisverleihung vor der beeindruckenden Kulisse des Panorama-Gemäldes der Schlacht von Leipzig 1813. Eigentlich hätte Sabine Ebert da sein müssen. Das hätte gepasst. Ein schöner Abend. Interessiertes Publikum, strahlende Gewinner.

33_Gruppe_Preisträger1


Und ganz besonders gefreut hat mit der Werbegeck von Droemer für "Gold des Südens", eine richtige Schatztruhe gefüllt mit Schokoladendukaten.

Schatz des Südens KleinGold des Südens


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Santo Domingo auf Hispaniola, 1635

Mein Roman, GOLD DES SÜDENS, spielt im Jahre 1635 und zum großen Teil auf der karibischen Insel Hispaniola, auf der das heutige Haiti und die Dominikanische Republik liegen. Hier möchte ich die Insel und ihre Hauptstadt Santo Domingo, so wie sie sich dem Besucher um 1635 präsentiert, vorstellen.

Hispaniola


Hispaniola, war eine der ersten Inseln, die von Kolumbus entdeckt worden waren. Hier fanden auch die ersten Siedlungsversuche statt und Santo Domingo, im Süden der Insel, wurde schon in den ersten Jahren der Kolonisierung zur Hauptstadt der neuen spanischen Besitzungen in der Karibik. Von hier aus unternahm Rodrigo de Bastidas seine Erforschung der Küsten Kolumbiens und Panamas, von hier segelten Cortez und Pizarro, um Mexiko und Peru zu erobern.

Sklaven
Auf Hispaniola siedelten die ersten Kolonisatoren der neuen Welt, unterwarfen die Indianer und brachten es nach einigen Anfangsschwierigkeiten zu Wohlstand. Zunächst hatten Goldfunde in den Bergen die Gier der Spanier befeuert, zum Leidwesen Tausender versklavter Indianer, die in den Minen verreckten. Wie es im Jahre 1635 überhaupt nur noch wenige ihrer Art auf der Insel gab. Eingeschleppte Krankheiten und brutale Unterdrückung hatten sie dahingerafft. Die meisten Spanier ließ das allerdings kalt, für sie waren es nur Wilde. Ein ganzes Volk wurde so praktisch ausgelöscht.

Der Goldrausch währte nicht lange. Als Nächstes ließ Europas Hunger nach Zucker große Plantagen in den fruchtbaren Ebenen entstehen. Da es an Arbeitskräften mangelte, begann der Handel mit Afrikanern zu blühen. Bald gab es weit mehr schwarze Sklaven auf Hispaniola als Europäer.

Als die Portugiesen den Markt mit brasilianischem Zucker überschwemmten, verlegten sich viele der Pflanzer auch auf Tabak oder auf die Züchtung gewaltiger Rinderherden im Inneren der Insel. Denn Leder erzielte gute Preise in der alten Welt, besonders wenn Krieg in Europa herrschte, wie jetzt der Dreißigjährige Krieg. Die spanische Krone war mehr damit beschäftigt, die Protestanten zu bekämpfen, als sich um die fernen Kolonien zu kümmern.

Leinenmarkt Santo Domingo
Lange Zeit war also Santo Domingo Hauptstadt des sich rasch ausdehnenden spanischen Kolonialreiches. Und obwohl Orte wie Havanna oder Panama ihr inzwischen den Rang abliefen, war die Stadt immer noch ein wichtiger Verwaltungssitz. Nach modernen, geometrischen Richtlinien angelegt, kreuzten sich ihre Straßen im rechten Winkel, gradlinig wie ein Schachbrett.
An der Flussmündung stand die wuchtige Fortaleza de Ozama, deren Kanonen den lebenswichtigen Hafen sicherten. Diese Festung, nach dem Fluss benannt, hatte den Ruf, uneinnehmbar zu sein, hatte sie doch im Jahre 1586 sogar den Angriffen des berüchtigten Francis Drake widerstanden, El Drake, wie die Spanier ihn nannten, ein Name, mit dem man den Kindern Angst machte, wenn sie nicht gehorchen wollten.

Neben der Festung befand sich der weitläufige Palast der reichen Familie Bastidas, dessen Erbauer nach seinen Erkundungsreisen für das Eintreiben der Zölle verantwortlich gewesen war und sich entsprechend bereichert hatte. Am gleichen Ufer, etwas weiter nördlich, hatte Diego Colón, Sohn des berühmten Entdeckers der Insel und wie sein Vater ebenfalls Vizekönig von Westindien, einen noch gewaltigeren Palast errichten lassen, den Alcázar de Colón, mit seinen fünfundfünfzig Sälen und Gemächern.

Damals waren ihm und seiner Gattin, einer Frau von hohem adeligen Geblüt, zahlreiche Hofdamen nach Santo Domingo gefolgt, wo sie Residenz in feinen Villen gleich hinter der Festung an der Calle de la Fortaleza bezogen. Diese war dadurch zur elegantesten Straße der Stadt geworden, überhaupt die erste gepflasterte Straße in der Neuen Welt. Und weil die edlen Damen auf dem Weg zur gerade eben fertiggestellten Kathedrale hier gern flanierten und ihren teuren Putz zur Schau stellten, wurde sie bald in Calle de las Damas umbenannt.

Santo_Domingo_Map_1873


Jetzt, mehr als hundert Jahre später, war die Stadt von einer starken Mauer umgeben und von mehreren Forts geschützt, um allen Angriffen von Seeräubern zu widerstehen, zu denen es schon häufig in ihrer kurzen Geschichte gekommen war. Santo Domingo war nach den Verwüstungen durch Drakes Freibeuter wieder gewachsen und hatte erneut seinen Platz als wichtiges Handelszentrum eingenommen. Auf der Hauptgeschäftsstraße, der Calle de Conde, waren Schmuck und kostbares Tuch, Schwerter aus Toledo, feines Olivenöl, spanischer Wein und andere begehrte Waren aus dem Mutterland zu haben. Und immer noch war es ein ganz besonderes Privileg, an der Calle de las Damas ein Haus zu besitzen, wie Doña Maria Carmen, die Heldin des Romans.

Obwohl Santo Domingo den Segen der Zivilisation des 17. Jahrhunderts genoss, mit seinen Kirchen und Palästen, so war das Land immer noch wild und zum großen Teil unerschlossen. Im Sommer herrschte die Regenzeit mit ihren gefährlichen Hurrikanen. Im Süden lagen die großen Plantagen, im Inneren gab es Rinderherden, die mehrere Zehntausende zählten. Im Nordosten trieben Bukaniere ihr Unwesen, um Wildschweine und wilde Rinder zu jagen und das Fleisch für fremde Schiffe zu räuchern. Nicht selten betätigten sie sich auch als Piraten. Ihr Zufluchtsort war Tortuga, eine kleine Insel auf der Nordseite von Hispaniola.

Dies ist die Welt, in die Jan van Hagen mit seinem Schiff, die
Sophie, vordringt, um sich am illegalen Schmuggel zu bereichern. Die Sophie ist eine holländische Fleute, ein schnelles kleines Schiff mit zwei Kanonen auf jeder Seite und gutem Frachtraum. So mag sie ausgesehen haben:


Fleute

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Leipziger Buchmesse

Dieses Jahr werde ich auf der Leipziger Buchmesse sein. Wer sich mit mir treffen möchte, findet mich entweder auf dem Droemer-Stand oder beim Stand von HOMER. Öffentliche Termine sind:

  • 12. März, 19:00, Lesung im Ägyptischen Museum, zusammen mit Kerstin Groeper und Iny Lorentz
  • 13. März, 15:00, Veranstaltung in der EBook-Halle (5)
  • 13. März, 16:00, Veranstaltung am Droemer-Stand, Halle 3, B 206/207
  • 14. März, 16:00, Meet & Greet am Droemer-Stand, Halle 3, B 206/207, Treffen mit ausgewählten Lesern und Bloggern
  • 14. März, 19:00, diesjährige HOMER-Preisverleihung im Panometer.
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Renovierung meiner Webseite

Endlich habe ich mich aufraffen können, meine Webseite zu erneuern. Ursprünglich war da nur mein Erstlingswerk. Inzwischen sind es aber 7 Romane geworden. Eine neue Struktur war nötig. Und da ich schon mal dabei war, habe ich auch das Erscheinungsbild geändert.

Übrigens, die Software, die ich verwende, nennt sich RapidWeaver von Realmac. Läuft aber nur auf dem Apple Mac. Aber macht es wirklich sehr einfach. Und durch alle Möglichen Ergänzungen, die man sich herunterladen kann, sind alle Möglichkeiten abgedeckt, die man sich wünschen könnte. Ich hoffe, die Seite gefällt. Und ich würde mich natürlich auch über Anregungen freuen, sie noch besser zu machen.
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Der Autor und sein Sprecher

Bisher sind vier meiner Romane bei Audible als Hörbücher erschienen, worüber ich sehr glücklich bin. Denn meine Geschichten, die ja sonst nur mit schwarzen Lettern auf Papier erscheinen, jetzt so zu hören, als handele es sich um ein Hörspiel, das ist schon etwas Besonderes.

Allerdings kommt es doch sehr auf den Sprecher an. Und mit
Reinhard Kuhnert (www.reinhardkuhnert.de) ist es ein besonderes Erlebnis. Reinhard ist ein bekannter Theatermacher, Schauspieler und Synchronsprecher. Er ist unter anderem die deutsche Stimme von Kevin Spacey, Pierce Brosnan und James Woods. Und er betätigt sich auch selbst als Romanautor ( „Abgang ist Allerwärtss“ ). Ich kann mich sehr glücklich schätzen, dass Audible ihn für meine Bücher gewonnen hat, denn Reinhard macht das toll. Es gelingt ihm, alle Figuren der Romane auf einzigartige Weise zum Leben zu bringen. Die überaus positiven Reaktionen der Audible-Kunden bestätigen dies.

Zum Erscheinen meines fünften Romans bei Audible und dem zweiten Band der Normannen-Saga, "Die Rache des Normannen" trafen wir uns in den Berliner Büros von Audible mit Redakteurin und Porträtfilmerin
Gabriele Reis, die uns auf charmante Weise durch ein Videointerview führte. Es war das erste Mal, dass Reinhard und ich Gelegenheit hatten, uns persönlich zu treffen, und wie man im Video sieht, haben wir uns auf Anhieb gut verstanden. Im Nachhinein wurde dies dann gebührend mit unseren Damen bei einem schönen Abendessen im Literaturhaus Berlin gefeiert.

Link Interview
Kurzes Video mit Autor und Hörbuchsprecher Reinhard Kuhnert

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Massaker in Salerno

Salerno

Heute ist Salerno eine Provinzstadt in der italienischen Region Kampanien. Wunderschön am Thyrennischen Meer und unterhalb der Burg des Arichis II aus dem achten Jahrhundert gelegen. Hier entstand die berühmte Schola Medica Salernitana, die erste Medizinschule Europas. Im elften Jahrhundert erreichte das Fürstentum Salerno seine größte Ausdehnung unter Prinz Guaimar IV, einem der bedeutendsten Fürsten seiner Zeit. Zeitweise dominierte Salerno mithilfe seiner normannischen Verbündeten Amalfi, Capua und große Teile Süditaliens. Nicht umsonst nannten seine stolzen Bürger es Opulenta Salernum, das prachtvolle Salerno.

Salerno-Castello de Arichis

Doch dann ereilte die Stadt ein großes Unglück, ein Aufstand des Adels, unterstützt vom benachbarten Fürstentum Amalfi, ein schrecklicher Fürstenmord mitten in der Stadt und vor aller Augen, dann die grausame Rache durch die verbündeten Normannen unter Führung der Brüder Hauteville.

Diese Geschichte wird in „Die Rache des Normannen“, meinem zweiten Roman der Normannen-Saga um Robert Guiscard, ausführlich erzählt. Mitten im Geschehen ist natürlich wieder der junge Gilbert Le-Porchon, der inzwischen aber schon ein erfahrener Krieger geworden ist. Er und seine Gefährten sollen Guaimars Schwester, die Prinzessin Gaitelgrima, nach Salerno begleiten, wo sie ihren kleinen Sohn taufen lassen will, denn nach dem Mord an Drogo ist sie mit Robert Guiscards Bruder Onfroi de Hauteville verheiratet. Gilbert und seine Gefährten stellen auf dieser Reise ihre Leibwache. Kaum sind sie in Salerno, brechen in der Stadt unerwartet die Unruhen aus, die die Fürstenfamilie in einen fürchterlichen Strudel der Gewalt ziehen und zu vernichten drohen. Eine wirklich spannende Geschichte, die auf Tatsachen beruht.

Der Aquädukt aus dem neunten Jahrhundert, der unten auf dem Bild zu sehen ist, spielt eine bedeutende Rolle in der Geschichte.

Acquedotto

Hier die Szene aus dem Buch, als Gilbert und seine Freunde, mit den Verfolgern im Nacken, verzweifelt aus der Stadt zu fliehen versuchen:

„Schnell“, rief er heftig nach Luft schnappend. „Klettert auf den acquedotto. Auf dem kommen wir in die Berge.“
Ungläubig starrten wir alle den Aquädukt entlang, der schnurgerade wie ein schmales Band auf den Berg zulief und dort irgendwo in zwei- oder dreihundert Schritt Entfernung zwischen Bäumen und Gestrüpp verschwand. Auf halber Strecke befand sich die Verbindung mit dem zweiten Aquädukt. Die oberen Deckplatten waren nicht breiter als zwei Ellen, dafür aber an vielen Stellen vierzig Fuß über dem Abgrund. Darauf sollten wir laufen? Unmöglich!
„He, Mann“, schreckte Hamo zurück. „Der Kerl spinnt. Mich kriegt ihr da nicht rauf. Da kommt keiner lebend rüber.“


Wer historische Romane und dabei einen spannenden Thriller mit vielen unerwarteten Wendungen liebt, dem kann ich dieses Buch wirklich empfehlen.

Erscheint bei Knaur am 1. Juli 2014.
„Die Rache des Normannen“



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Preise im Doppelpack !

Das gibt es wohl auch nur einmal im Leben, dass man im gleichen Jahr und auf der gleichen Veranstaltung gleich einen Preise für jeweils zwei unterschiedliche Werke bekommt. So geschehen bei der den HOMER-Literaturtagen in Heidenheim am 25.4. diesen Jahres. Und Spannungs- und Abenteuerromane, genau mein Thema also. Die Laudatio hielt Jury-Mitglied und Fernsehjournalist, Autor und Literaturkritiker Peter Hetzel. Was kann man sich besseres wünschen?

Silberner HOMER klein


Bronzener HOMER klein

Abgesehen von dieser Ehrung durch die Jury waren es zwei tolle Tage in Heidenheim. Silvia Stolzenburg (1. Vorsitzende des Vereins) und diverse Helfer hatten ein wunderbares Fest für uns aufgelegt. Der erste Abend war für die Preisverleihungen in verschiedenen Kategorien reserviert. Und am zweiten Abend gab ein mittelalterliches Diner mit Lesungen der erstplatzierten Preisträger. Eva-Ruth Landys sorgte für das Musikalische (tolle Stimme, übrigens), Nicole Köster, Dr. Herbert Antl und Caren Benedikt (2. Vorsitzende) moderierten und führten durch die Veranstaltung und für Unterhaltung sorgten die Württemberger Ritter mit ihren Showeinlagen.

Einige Preisträger


Einige Preisträger und die Moderatoren. Von links: Ulf Schiewe, Gerhard Loibelsberger, Elmar & Iny Lorentz, Heidi Rehn, Christoph Lode, Eva-Ruth Landys, Silvia Stolzenburg, Nicole Köster und Dr. Herbert Antl


Für weitere Einzelheiten:
http://blog.homer-historische-literatur.org


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Wer war Robert Guiscard?

Italiener kennen diesen Mann gut. Er ist einer der ihren, Roberto il Guiscardo, der Begründer des Normannenreichs in Süditalien (1015-1085. Und er ist auch Vorfahre Friedrichs des Zweiten, des berühmten deutschen Kaisers, der als Sohn einer normannischen Königstochter in Italien geboren wurde.

Robert Guiscard kämpfte sein Lebtag lang gegen Byzanz. Und so beschreibt die Tochter des byzantinischen Kaisers diesen Mann:

„Dieser Robert war von Geburt Normanne, aus obskurem Geschlecht. Er besaß ein dominierendes und abgefeimtes Wesen; er war ein tapferer Krieger, sehr listig in seinen Angriffen auf Reichtum und Macht von großen Männern; unaufhaltsam in der Erreichung seiner Ziele, klug und beredt in seiner Überzeugungskraft. Er war ein Mann von enormer Größe, der selbst die größten überragte; er hatte eine frische Hautfarbe, blonde Haare, breite Schultern und Augen, die feurige Blitze zu schleudern vermochten. Ein gut gebauter Mann sollte breit hier und schlank dort sein; in ihm war alles wohl proportioniert und elegant. Homer erzählt, dass, wenn Achilles brüllte, es sich wie eine Menge in Aufruhr anhörte. Aber wenn Robert brüllte, so sagen sie, schlug es Zehntausende in die Flucht.“

Robert_Guiscard

Als Normanne stammte er natürlich aus Frankreich, aus dem Contentin. Sein Vater hieß Tancred, aus dem Geschlecht des Hialtus, einem Wikinger. Nach ihm hieß das Dorf Hialtus Vila, woraus Hauteville wurde, der Name dieser berüchtigten Familie. Tancred hatte 12 Söhne, 5 von seiner ersten Frau Muriela und 7 weitere von seiner zweiten Frau Fressenda.

Robert war der älteste aus der zweiten Gruppe und schon immer ein gewiefter Kerl, ein Schlitzohr, daher sein Spitzname, Guiscard. Die 12 Söhne waren große Kerle, mit denen nicht gut Kirschenessen war. Aber Burg und Dorf Hauteville hatte nicht viel zu bieten. Deshalb riet Tancred seinen Söhnen, sich das Erbe, das er ihnen nicht geben konnte, woanders zu suchen.

So kamen sie nach Süditalien, wo ein guter Mann mit dem Schwert sein Glück machen konnte. Vor ihnen hatten sich auch schon andere Normannen bei den zerstrittenen lombardischen Fürsten als Söldner verdingt, doch keine waren so erfolgreich wie die Hauteville Brüder. Erster unter ihnen wurde mit der Zeit Robert Guiscard, der Lombarden austrickste, Byzantiner beraubte und peu à peu ganz Süditalien unter seine Herrschaft brachte. Sein jüngster Bruder Roger half ihm kräftig dabei und unterwarf in zehnjährigem Feldzug ganz Sizilien.

Robert verlangte viel von seinen Männer, war aber großzügig mit seinen Getreuen. Schlau und wagemutig setzte er seine Ziel durch und ließ nicht locker, bis er sie erreicht hatte. Auch sein Bruder Roger war waghalsig bis zum Leichtsinn, aber nicht unterzukriegen.

Die Geschichte dieser Brüder, Roberto und Rogerio d’Altavilla erzähle ich in meiner neuen Romanserie.


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Mein neuer Roman


Das Schwert des Normannen - Klein

Die Normandie im 11. Jahrhundert:
Der berüchtigte Robert Guiscard von Hauteville, genannt das Schlitzohr, ist auf der Flucht nach Süditalien, wo seine Brüder sich als Kriegsherren einen Namen gemacht haben. Unter Roberts Gefährten befindet sich der 17-jährige Gilbert, dessen Herkunft im Dunkeln liegt und der bei den Hautevilles als Schweinehirt aufgewachsen ist. Durch seine Treue und Waghalsigkeit gewinnt er Roberts Vertrauen, der ihn zu seinem engsten Begleiter macht. Sie beginnen als Raubritter, für die nichts als Gold zählt, und sind doch dabei, ein Reich zu schaffen, das in Europa seinesgleichen suchen wird.


Es beginnt mit dem Aufbruch einer flüchtigen Söldnertruppe unter Führung von Robert de Hauteville aus einem kleinen Dorf in der Normandie. Ihr Ziel: Süditalien.
Unter den Gefährten befinden sich der junge Gilbert, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, Gerlaine, ein eigenwilliges Mädchen mit seherischen Fähigkeiten, Gilberts unbekümmerter Freund Thore, der gern den Frauen nachstellt, der bärbeißige Rainulf und der hässliche Ivain mit seinen Wurfäxten, der gewaltige Rollo, der ständig sein Geld verspielt und andere Charakteren. Eine eingeschworene Truppe von unerschrockenen Männern, die ausziehen, im Mezzogiorno ihr Glück zu finden. Wobei sie es nicht so genau nehmen, wen sie überfallen und wessen Gold sie stehlen.
Der waghalsiger Anführer dieser Abenteurer ist Robert Guiscard de Hauteville, den sie das Schlitzohr nennen, ein blonder Hüne, der seinen Männern viel abverlangt, aber alles mit ihnen teilt.
Wegen ihrer Übergriffe sind die Normannen nicht beliebt in Italien. Doch trotz aller Widerstände steigen Robert und seine Brüder von Raubrittern zu Grafen von Apulien auf. Sie wagen es, den lombardischen Prinzen Land zu rauben, dem mächtigen Byzanz zu trotzen und sich dem Papst in einer Entscheidungsschlacht zu stellen.
Erzählt wird von Kriegern und ihren Frauen, von Fürsten und Prinzessinnen, von Liebe und Eifersucht, Mord und Intrigen, vor allem aber die spannende Geschichte der Entstehung des Normannenreichs in Unteritalien und Sizilien.


Die im Roman geschilderten Ereignisse stammen aus den Chroniken der Zeit. Um sie zum Leben zu erwecken, habe ich einige fiktive Figuren und Abenteuer gerankt.
Im Folgenden die Historische Hintergründe zum Roman:

Im zehnten und elften Jahrhundert war Süditalien ein verhältnismäßig reiches Gebiet mit Städten wie Gaeta, Neapel, Amalfi, Benevento, Salerno und Bari, politisch jedoch zerrissen. Die Großmacht im Süden war immer noch Byzanz, das trotz dringender Prioritäten andernorts an seinen Besitzungen in Apulien und Kalabrien festhielt und gerade genug Truppen im Land hielt, um lokale Aufstände niederzuschlagen. Die lombardischen Fürstentümer des westlichen Teils der italienischen Halbinsel waren seit langem in einem erbitterten Ringen um die Vorherrschaft zerstritten. Offiziell huldigten sie dem deutschen Kaiser, aber auch der hatte meist andere Sorgen, als sich um Süditalien zu kümmern.

Das Volk der Region litt unter den immer wieder auftretenden bewaffneten Konflikten, unter den byzantinischen Steuereintreibern und den maurischen Seeräubern, die in vertrauter Regelmäßigkeit das Land heimsuchten und die Bewohner ganzer Dörfer in die Sklaverei verschleppten. Siedlungen und sogar Klöster wurden militärisch befestigt, um sich gegen solche Übergriffe zu schützen, auch gegen solche von benachbarten Herrschern.

In dieser Welt tauchten zu Beginn des elften Jahrhunderts normannische Abenteurer auf, die von den lombardischen Prinzen gern als Söldner angeworben wurden, um ihre Kleinkriege untereinander auszufechten. Bald begannen diese für Mut und Kampfkraft berüchtigten Krieger ihre eigenen Interessen zu verfolgen, Burgen zu bauen und die lombardischen Prinzen gegeneinander auszuspielen. Aversa war die erste normannische Grafschaft, die sogar vom Kaiser bestätigt wurde. Dann, im Zuge einer Revolte gegen Byzanz, an der Normannen sich beteiligten, wurde Melfi erobert, das fortan zum Hauptstützpunkt der normannischen Einwanderer wurde. Die Brüder Williame und Drogo Hauteville hatten sich hervorgetan und wurden zu ihren Anführern gewählt und als Grafen bestätigt. Jahrelang ging es ihnen hauptsächlich um Beute und persönliche Bereicherung.

Mit Onfroi und nach ihm vor allem Robert Guiscard, ebenfalls aus dem Hause Hauteville, begann eine neue Phase der aktiven Landnahme in Süditalien, die schließlich nach der Eroberung Siziliens durch Roger, den jüngsten Sohn der Familie, zur Errichtung eines der bedeutendsten Fürstentümer Europas führte. Auch der spätere deutsche Kaiser Friedrich II., in Süditalien geboren, stammt zur Hälfte von den Hautevilles ab.

Der vorliegende Band erzählt den ersten Teil dieser Entwicklung und endet mit der Schlacht von Civitate, in der der Papst gedemütigt wurde und die Normannen sich zum ersten Mal als eine eigenständige Kraft in Apulien legitimieren konnten.
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Lesung in der Galerie49, München

Am Freitag, den 11. Januar 2013, um 18:00 findet in der Galerie49, Agnesstr. 49 in München, eine gemeinsame Veranstaltung statt. Die Künstlerin Ursula Fuchs stellt eine Auswahl ihrer abstrakten Werke aus, während ich eine Lesung meines neuen Buches, Die Hure Babylon, abhalte. Dazu gibt es zu trinken, knabbern und diskutieren.

Ich finde, das ist eine interessante Kombination künstlerischer Betätigung. Wir hoffen auf rege Teilnahme.

Ausstellung
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